Von Reispflanzern und Viehtreibern

Beeindruckend, der spanische Umgang mit den Toten.

Man kommt nicht umhin. Diesen großartigen Cementerio (Friedhof) muss man einfach besichtigen. Die heutige Tour nimmt ihren Anfang auf dem Parkplatz des Friedhofs von Benissa. Hier findest du auf dem ganzen riesigen Gelände kaum ein Stäubchen. Sauberkeit wohin du schaust. Mit den Toten hat man in Spanien ein sehr großzügiges Verhalten. Sie werden in Gruften eingemauert und mit wertvollem hochglänzendem Granit-platten verschlossen. Daneben gibt es natürlich auch die gross artigen Familiengräber. Für seine liebsten verstorbenen Angehörigen scheinen Kosten gar keine Rolle zu spielen. Niemand getraut sich, seine Lieben unter Status zu verabschieden. Man muss es gesehen haben.

Ich beginne die Wanderung, die vorerst parallel zur Autobahn verläuft. Hier gibt es ein paar einsame Siedlungen. Alles macht einen recht ge-pflegten Eindruck. Hier wurden massive Erdbewegungen gemacht, als man die AP 7 baute. Zweimal unterquere ich die Autobahn. Man sieht hier noch deutlich, mit welch grosser Kelle angerichtet wurde.

Die doppel spurigen Röhren lassen nur einen Gedanken zu: Man dachte sogar in dieser abgelegenen Gegend daran, diese Einöde zu bebauen. Anders kann man die gross zügigen Bauten nicht erklären. Man hatte halt noch Visionen, vor allem so lange Brüssel das Ganze noch zahlte.

Ab und zu sehe ich Nester des Prozessions-Falters. Sie sehen im jetzigen Stadium so harmlos aus. In Ihnen wachsen allerdings bis zu 250 Raupen heran. Sie können einem Wirtsbaum arge Probleme bereiten, da die Kiefer eine Lieblingsnahrung der heranwachsenden Raupen sind. Haben sie sich vollgefressen und die nötige Grösse erreicht, machen sich die bis zu 5 cm langen behaarten Viecher in einer richtigen Prozession aus dem Staub um sich erneut zu verpuppen. Eine solche Kolonne kann bis zu mehreren Metern lang sein. Daher kommt auch der Name. Berühren sollte Mensch und Tier diese Raupen nicht. Es kann zu grossen dermatologischen Pro-blemen führen. Dann kann in der Regel nur noch der Arzt helfen.

http://de.Wikipedia.org/wiki/Prozessionsspinner

Kurze Zeit später führt der Wanderweg rechts weg. Zu Beginn durfte mein Herz frohlocken. Der Weg vorerst perfekt in Serpentinen angelegt. Und dann das. Ohne Uebergang führte eine sehr steile betonierte Piste den Hang hinauf. Das Ganze war sehr mühsam, wenn auch nicht lange. Oben auf der Höhe sieht man einen Wassertank. Dann ist das schlimmste überstanden.

Der Weg wird nun sehr angenehm und ist schattig. So richtig zum schlendern. In der Ferne sieht man schon eine riesige Finca-Ruine aus dem 19. Jahrhundert. Hier ist auch die erste grosse Weggabelung. Mit ein paar Schritten ist man unten am alten Brunnen. Das Wasser war für die Bauern, die ihr Vieh nach Denia zu treiben hatten über lebenswichtig, auch für die Tiere. Das ganze stammt noch aus der Mauren zeit. Für das Vieh hatte man richtige Tränken gemauert. Ich betrachte noch den 800 jährigen Mastixbaum, bevor ich wieder zum Wegkreuz zurück gehe.

Hier gibt es verschiedene Varianten. Ein Weg führt hinunter nach Gata de Gorgos, der zweite auf dem gleichen Weg zurück, was ich mit meinen schon jetzt schmerzenden Füssen auch am besten gemacht hätte. Ich hatte traumhafte Bergschuhe an, aber völlig ungeeignete Socken. Leider war mir das trotzdem zu banal. Der Weg führte nun hinauf auf den Alt dels Serillars. Am Anfang ein traumhafter Weg zum schlendern. Und dann ist es passiert. Verträumt wie ich war, legte ich meine Arme in die Trage schlingen am Rucksack. Ich betrachtete die blühenden Mandelbäume in dieser Höhe, und stolperte auch prompt über eine Wurzel, Wie so etwas ausgeht mit gefesselten Händen, mag sich der Leser selbst auszudenken. Das einzig Sinnvolle, dass ich noch tun konnte, war mich noch leicht ab zu drehen. Trotzdem, meine vorgehängte Kamera schlug voll in meinen Bauch. Die Luft war weg. Ich in einer völlig einsamen Gegend. Ich versuchte mich zu entspannen und wieder zu atmen. Alles an mir schien zu schmerzen. Ich blieb erst einmal auf dem Weg liegen. Die Wahrschein- lichkeit, dass hier in den nächsten Tagen jemand vorbei kommen würde, sehr gering.

Ich konnte es drehen wie ich wollte. Was ich nun auch unternehmen würde es blieben in jedem Fall noch 3 Stunden zu gehen. Mein Handy hat sich empfangsmässig verabschiedet. Also Augen zu und durch.Erst führt der Weg in angenehmer Steigung bergan. Dann kommst du zu einer markanten Weggabelung. Von nun an geht es zügig bergauf. Hier hätte ich vermutlich noch eine goldrichtige Entscheidung fällen können. Ein Weg führte nämlich halbrechts weg. In der Ferne sah man Häuser. Aber wollte ich wirklich ein Weichei sein? Heute wäre ich das wirklich besser gewesen. Allerdings waren solch „Abkürzungen“ auch schon fatal gewesen.

Ich schleppte mich buchstäblich hinauf. Auf dem Vermessungspunkt des Landes Valencia konnte ich erst ruhen und den gewaltigen Ausblick geniessen. Zum ersten Mal sah ich heute sogar die Insel Ibiza. Auch das Türmchen von Portet war gut zu erkennen. Grins. Ich kann es nicht lassen in alten Erinnerungen zu schwelgen.

Erst ging es noch auf schottrigem Pfad abwärts. Das ganze kostete massiv Kraft. Die Knie schmerzten, die Füsse brannten. Vor den Augen zwei alte Fincas. Hinter der Zweiten soll es harmloser werden. Noch 3,9 Kilometer meint das Hinweisschild. Allerdings, der nun beginnende Weg vielfach betoniert. Aber nun gab es bald einmal bewohnte Häuser für den Notfall. Dies gab mir eine gewisse Sicherheit und beruhigte mich auch. Noch eine Stunde auf die Zähne beissen, dann wird auch dieses Abenteuer überstanden sein.

Nun noch zum Resümee dieses Tages. Solch Touren macht man nur, wenn man auch fit ist. Wichtiger scheint mir allerdings, dass man sie nicht alleine macht. Treffen diese zwei Bedingungen allerdings zu, lässt sich die Tour nur empfehlen. Das ein alter Hase aber noch mit lotterigen Socken in die guten Schuhe schlüpft, lässt sich nur mit Dummheit entschuldigen.