Donauschiffahrt

Von Burgdorf bis Passau

 

 

Früh, sehr früh hätten wir heute aufstehen müssen…. hätten!  Wir haben es vorgezogen am Vorabend nach Lyssach ins Hotel Lyssach zu reisen: Das war eine gute Idee, fuhr doch der Zubringer-Bus Burgdorf nach Baden Rütihof bereit um 6.30 Uhr von hier weg.

So blieb am Vorabend genügend Zeit das Car-Terminal von Twerenbold zu suchen. Wir erkundeten das Industriegebiet Lyssach und fanden ein echt originelles Restaurant im 4. Stock. Es nennt sich Zone 3, und hat sich spezialisiert auf Grill, Pizzas und Asiatisch. Hier kann jeder etwas finden. Wir waren allerdings etwas früh dran, weshalb wir uns mit einem Apero begnügten. Manchmal würde man besser sitzen bleiben und einen 2. Apero genehmigen. Wir hätten hier sicher gut gegessen.

Aber etwas steckt ziemlich stark in unseren Köpfen: Man isst wo man schläft. Auch wenn man von der Hauptstraße und der Autobahn berauscht wird, hatten wir dank sehr guten Fenstern  doch sehr gut geschlafen. Nach einem Kaffee machten wir uns früh genug auf den Weg nach Burgdorf. Das eigene Fahrzeug kann im geschlossenen Areal parkiert werden.

Ein junger flotter Chauffeur nahm uns alle auf und fuhr uns sehr gekonnt Richtung Baden Rütihof. Unterwegs nahmen wir noch 2 Personen mit auf der Raststätte Deitingen.

In Baden-Rütihof erreichen wir das grosse Car-Terminal von Twerenbold. Hier genehmigten wir uns Kaffee und Sandwich. Um punkt 8 Uhr fahren alle 8 anwesenden Cars an ihre Zieldestinationen ab.  Car 2 (wir) und 3 fahren via Flughafen Zürich und Wil (St. Gallen) an die Grenze zum nächsten Kaffee halt.

Rico, das ist während der ganzen Reise „unser“ Chauffeur. Er schwärmt auf der Weiterfahrt fortwährend von den herrlichen Spatzen (Spätzli). Dumm, wer das nicht sofort ins Wunschdenken aufgenommen hätte. So war es denn nicht verwunderlich, dass wir in 1 1/4 Stunden den herrlichen Gasthof am Ammersee zufrieden und wohlgenährt wieder verlassen konnten. Auch ein fantastischer gemischter Salat wurde gereicht. Es zahlt sich auf jeden Fall aus, dass alles vor reserviert war. Die Firma Twerenbold (also wir) wurden vom Geschäftsführer herzlich empfangen. Sogar beschriftete Twerenbold Tafeln wurden eingesetzt. Bravo Rico !!!

Bis wir München hinter uns gebracht haben ging es trotzt Umfahrung-Strasse 92 ziemlich zürcherisch weiter. Ab Flughafen Franz Josef marschierte es dann wieder flott weiter.

Am frühen Freitagabend erreichten wir dann Passau. Beeindruckend, wir mussten nicht einmal unser Gepäck aufs Boot bringen. Wir genehmigten den ersten Drink an Bord. Inzwischen wurde alles Gepäck wie von Geisterhand in die Kabinen verfrachtet. Später habe ich dann begriffen, dass solch ein Verladeprozess mit über 70-jährigen eine ziemlich holprige Angelegenheit gewesen wäre. Wir nahmen diese Dienstleistung allerdings dankbar entgegen.  

Unsere Reiseleiterin Sabine orientiert wie jeden Abend über den nächsten Tag. Gekonnt begleitete sie uns durch die ganze Reise und versorgte uns mit allerlei Informationen, ein nicht unwichtiger Aspekt. Der Bordmusiker Jan versetzte uns gekonnt in Ferienlaune. Ein herrliches Nachtessen beendete den ersten Tag. Auch die Auslese der Getränke war stets erste Sahne. Gilt übrigens auch für die Bar.

Passau bis Melk

 

 

 

Ohne gross etwas zu sehen sind wir die Nacht gefahren und trafen gegen Morgen in Melk ein. Unsere Cars sind schon gestern hier eingetroffen und erwarten uns schon auf dem Parkplatz. Auch hier sind überall die Hoch-Wasserstände am Gasthof eingetragen. Die schlimmste Flut war im Jahre 1501, damals wurde auch ein Großteil des Hinterlandes unter Wasser gesetzt.        Statistisch gibt es alle 4 Jahre massive Überschwemmungen der Donau. Der Pegel kann dann durchaus 10 bis 15 Meter über Normalstand ansteigen. Im Vergleich zum Rhein ist das erheblich.

Wir fahren über eine Stahlbrücke auf den riesigen Carparkplatz der Benediktinerabtei Melk. Obwohl der Oktober als Nebensaison gilt, herrscht hier ein ständiges Kommen und Gehen. Der gesamte Trakt des Klosters hat eine Ausdehnung von 320 m.

Heute leben im Stift noch 32 Mönche, einige davon sogar ausserhalb. Es ist beeindruckend was das Land Niederösterreich an ständigen Renovierungs- arbeiten leistet. Der Eintrittspreis pro Person liegt 2018 bei Euro 12.50. Gruppen zahlen auch noch Euro 12.–. Da kommt natürlich einiges zusammen. Der Eintritt ist auf jeden Fall gerechtfertigt. Es gäbe noch vieles zu schreiben über dieses grossartige Kulturgut.  Schön, dass man in der heutigen Zeit auf    https://de.wikipedia.org/wiki/Stift_Melk   

Bereits nach 3 Stunden erwarten uns die Busse zur Rückfahrt an die Donau. Einstieg aufs Boot um 11.45. Weil das Boot noch eingeklemmt ist muss der Kapitän noch eine Not runde einlegen. Dies führt dann immer wieder zu Stress-Situationen. Jedenfalls sollte zwingend mehr Reserven eingeplant werden, denn die Durchfahrt bei den Schleusen sind fix vergeben.

Wien

 

Es ist 12 Uhr. Um diese Zeit ist die Abfahrt nach Wien geplant. Hoffentlich sind wieder alle an Bord. Nach den Ausführungen von Sabine gestern Abend,  passieren teilweise die unglaublichsten Sachen. Eine Gruppe hat das letzte Mal sich entschieden vom Benediktinerstift Melk zum Schiff an der Donau zu laufen. Auch wenn ein solches Unternehmen in einer Stunde machbar wäre, so darf man sich dann nicht verlaufen. Man hat uns mehrmals darauf hingewiesen, dass die Abfahrt auch ohne alle Passagiere von statten geht. Man müsste in einem solchen Fall auf eigene Kosten zum nächsten Halt Reisen. Diese Drohung scheint zu wirken.

Heute Abend gegen 19 Uhr werden wir in Wien wieder an Land gehen. Die einten machen eine Stadtrundfahrt, die anderen (wir) wollen das Erlebnis des „Heurigen“ erleben. Bevor wir dort eintreffen arrangiert Sabine noch  noch eine Fahrt zu dem wohl schönsten Aussichtspunkt von Wien. Die ganze Stadt glitzert und leuchtet zu unseren Füssen.

Der Heurigen kann warten. Im nachhinein muss ich Sabine recht geben. Das organisierte Saufgelage beim Heurigen lässt sich in einer Stunde abarbeiten. Die nächsten warten dann schon beim Eingang und begehren Einlass. Ich kann mir gut vorstellen, das in einem kleinen Restaurant die Stimmung um einiges attraktiver wäre. Aber dort haben dann wiederum keine Gruppen Platz.

Hauptsache bleibt für mich: Es war ein Abend zum „staunen“.

Am nächsten Morgen besichtigen wir den Stephansdom. Man muss sich schon fragen, woher das Geld kam für solche Monumentalbauten. Hier gibt es doch einiges zu bestaunen. Der über 1000-seitige Triller von Ken Follet taucht da unwillkürlich wieder in meinem Gedächtnis auf. „Die Säulen der Erde“: Kirche, Macht, Geld und Sex erklären zwar vieles in der Theorie. Solche kirchlichen Bauten rufen dann halt trotzdem ein grosses ehrfürchtiges Staunen hervor. Das geht offensichtlich nicht nur mir so, anders sind die tausenden Touristen jeden Tag nicht zu erklären.

Jetzt werden wir noch einen drauf setzen: Wir vernetzen uns mit einem deutschen Ehepaar und buchen eine Kutschen fahrt für 45 Minuten. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Der Kutscher war buchstäblich ein fahrendes Lexikon. Etwas das wir in allen Städten immer gerne machen, sofern ein Angebot da ist. Das er uns zum Abschluss noch auf den besten Italiener der Stadt aufmerksam macht, gehört ins gleiche Kapitel. Wir haben das Essen wirklich genossen. Wir schlendern zurück, gehen an Bord und verbringen noch etwas Zeit auf dem Sonnendeck. Der Rest ist Standart. Port Talk mit Sabine und Apero  mit Unterhaltung von Jan. Fast lautlos hat sich die Sonata um 17.45 Uhr in Richtung Budapest in Fahrt begeben.

Budapest

 

 

 

Am nächsten Morgen, exakt nach dem Frühstück sehen wir die ersten Gebäude von Budapest. Nicht zu übersehen von weitem die Duna-Arena. Hier wurde 1998 die 17. Europameisterschaft ausgetragen (Schwimmen).

Viele Bücken verbinden die beiden Stadtteile Buda und Pest. Die für mich schönste und älteste Brücke ist die Széchenyi Kettenbrücke. Sie wurde 1849 fertig gestellt, ist also bald 180 Jahre alt. Noch früher musste der Übergang der Donau mit Pontonbrücken bewerkstelligt werden. Der Grund war, dass man diese jeden Winter abbauen musste, weil die Donau ständig Eisbrocken mitführte . 

Wer Budapest besichtigt kommt nicht an der alten Markthalle vorbei. Daran ändert auch nicht der eingerichtete Aldi im Sous-Sol. Ganz offensichtlich deck sich heute noch die Bevölkerung hier ein. Hier findet man alles, sogar Entenleber für die Oberschicht. Ganze Poulets konnten wir auch nach langem Suchen nicht finden, dafür alle Einzelteile von ihnen inklusive Hühnerfüßen und abgeschlagene Entenköpfe. Dabei sind ungarische Poulets einer der Exportschlager nach Europa. Hier bemüht man sich mit den wenigen Forint über die Runden zu kommen. Für einen Euro gibt es übrigens 300 Forint.

Die Schere zwischen Armen (Rentnern) und Arbeitern und der Oberschicht scheint hier noch grösser als im Resten Europas. Allerdings geht es kontinuierlich nach oben, das ist der Hauptgrund dass Herr Orban in der Gunst der Bevölkerung ganz oben steht. Auch wenn vorerst nur in den Städten, die Investoren aus aller Welt sind nicht zu übersehen. Das Marriott Hotel sei nur stellvertretend erwähnt. Ein Prachtbau.

Schade, dass wir um 11.45 Uhr schon wieder auf dem Schiff sein mussten, aber das andere Ungarn wollte ich auch noch sehen.

Apajpuszta

 

 

Wer nicht wenigstens 1 x in einer Puszta-Region war, hat ein wesentliches Element Ungarns nicht gesehen. Die riesigen Steppen ziehen bis zu den Karpaten. Die Geschichte der ungarischen Tiefebene kann im Internet erforscht werden. Ungarn ist doppelt so gross wie die Schweiz, hat aber nur knapp 10 Millionen Einwohner.

Die berittenen Hirten geniessen in Ungarn ein grosses Ansehen. Der Stolz steht ihnen buchstäblich ins Gesicht geschrieben Die UNESCO hat grosse Teile der Puszta zum Weltkulturerbe erhoben. Man unterstützt die ärmliche Region ziemlich vernünftig. Vieles wird von Einwohnern mit eigenen Händen selbst erledigt. Dabei zeigt man ein grosses Improvisations – Talent. Die Bilder sollen dies so gut wie möglich dokumentieren.

Etwas das in jedem Fall ins Auge sticht, ist die grosse Sauberkeit die man überall antrifft. Dies gilt in der Gastronomie genau so wie für die sauberen Toiletten.

Der Staat hat die Schwachstellen die noch sind längst entdeckt. So will man gemeinsam mit dem stolzen Volk die Qualität des Weines verbessern. Die Salami, welche hier produziert wird ist schon lange Spitzenklasse. Ein Land zum bereisen und entdecken.

Fahrt nach Bratislava

 

 

 

Stadtbesichtigung Bratislava

 

Wir besichtigen die weitgehend autofreie Altstadt. Alles ist sauber. Man gibt sich Mühe, hat aber trotzdem entschieden weniger Touristen als Budapest. Vielleicht ist das ja auch nicht schlecht.

Wir entdecken einen selbst gebastelten Bus und fahren mit ihm auf das mächtige Schloss über der Stadt . Preis hin und zurück 10 Euro pro Person. Das ist ein vernünftiger Preis. Es kann ja nicht sein, dass der Steuerzahler die Touristen auch noch subventioniert wie bei uns.

Susi, deren beste Freundin in Bratislava geboren wurde war eigentlich eher ernüchtert. Aber Heimat bleibt eben Heimat, jedenfalls hat sie stets mit grosser Begeisterung von Bratislava gesprochen. Auch wenn diese Freundin nach ihrer Flucht das Land nicht mehr betreten durfte.

 

 

 

Dürnstein und Heimfahrt

Dürnstein hat eine bewegt Geschichte hinter sich. Hier wurde im 12. Jahrhundert angeblich Richard von Löwenherz, der König von England eingekerkert. Allerdings ist historisch nicht belegt, wo genau das geschehen ist. Im frühen Mittelalter gab es das Stift und der Ort Dürnstein noch nicht. Es existierten mindestens 2 Burgen. Man nimmt einfach an, dass dies in einer der Burgen war.

Sicher ist, Dürnstein wurde von den Ungarn 2 x besetzt, Auch die Schweden !!!  (nanu) besetzten die Burgen und sprengten sie 1645.

Sehenswert ist das ehemalige Kloster auf jeden Fall. Der blau-weisse Kirchturm ist zu einem Wahrzeichen in der Wachau geworden. Man darf es sagen: Erst das 20. Jahrhundert brachte  die neue Dampf-Schifffahrt sowie der Bau der Wachau Bahn und die Donau Uferstraßen den neuen Aufstieg, nachdem Dürnstein 1925 zum 2. Mal einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen war 

Ich wage zu behaupten, dass noch nicht oft 4 Interessierte einen Guides mit Hochschulabschluss als Historiker zum Führer hatten. Wir haben das unglaubliche Wissen dieses Mannes bewundert. Er hat es genossen einmal nur mit 4 Personen unterwegs zu sein.

Um 12 Uhr legt die MS Sonata zum letzten Mal ab. Wir genossen noch einen Verwöhn tag an Bord. Die Busse sind bereits auf dem Weg nach Passau. Um 7.00 Uhr müssen unsere Koffer vor den Kabinen stehen. Während wir ein  letztes Frühstück geniessen, werden unsere Utensilien in die „richtigen“ Busse verladen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Donauschiffahrt“

  1. Lieber Kurt
    Dein Reisebericht mit den phantastischen Bildern gefälli mir. Bei mir kommt Stolz und Wehmut auf, wenn ich an das ehemalige Österreich Ungarn und an den Vielvölkerstaat der Habsburger denke. Es sind doch meinevWurzeln.
    Lieber Kurt, ich freue mich noch auf viele Berichte von Dir.
    Gruss Zita

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