Schlussgedanken

Schlussgedanken

Der heutige Tag wird in Andalusien sein, wie der gestrige. Man wird sich an einem schattigen Ort treffen und sich austauschen. Sie werden auch heute nicht jammern, sie erfahren und erdulden. Sie werden auch heute nicht über Politik sprechen, sie verachten sie: „Die füllen ja doch nur ihre eigenen Taschen“. Immerhin wird dem Staate attestiert, dass er sich auch um ihr Überleben kümmert.

Man freut sich auf die kühleren Jahreszeiten. Im nächsten Winter, der hier ziemlich hart werden kann, wird man sich wieder nach dem nächsten Sommer sehnen, und hoffen, dass er dann zumal etwas weniger heiss ausfallen wird. Dabei steigen hier die Temperaturen immer über 40° im Sommer, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Ich habe in die andalusische Seele geschaut und versucht sie zu verstehen. Habe ich sie aber auch verstanden? Irgendwann werde ich wieder kommen, im März, April oder auch im Herbst. Ich hoffe, dann noch möglichst viele von ihnen anzutreffen.

Die Geschichte Andalusiens wird ihren Lauf nehmen. Aber Heute wird immer Heute sein, und der morgige Tag wird zum heutigen gemacht. Mal wird man ein bisschen mehr geknebelt sein, mal ein bisschen weniger. Geschiedene Frauen können hier ganz dumm da stehen, vor allem wenn noch Kinder da sind. Und geschieden wird auch hier sehr oft.

Im Fernsehen habe ich gehört und gesehen, dass die Guardia Civil ziemlich rigoros gegen die wilde Prostitution vorgehen wird. Die Frauen werden vertrieben wie die Zigeunerinnen vor der Alhambra. Aber sie alle werden wieder kommen, denn überleben wollen sie alle.

El-Anadaluz (das Licht) wird weiter bestehen, so oder so.

Dieses Land kann einem aber auch ganz schön traurig machen. Das Niederschreiben seiner Gedanken hilft einem mit der Traurigkeit besser umzugehen. Andalusien, man muss dich lieben, so oder so !!!

Eigeninitiative, die gab es ….

Dienstag, 21. Juli 2009

Antonio will mir heute den privaten Vergnügungspark, der sich am Stadtrand befindet, zeigen. Die Anlage ist etwa 25 Jahre alt und hatte ihren geschäftlichen Höhepunkt

in den Jahren 2002/03. Leider steckt auch diese Institution massiv in der Krise. Es gibt hier ein grosses Freibad, diverse Wasserrutschbahnen für Kinder, eine grosse Freilichtbühne, eine riesige Gartenwirtschaft. Eine offene Tanzbühne hat es ebenso, wie eine lange Aussenbar. Wirklich beeindruckend was hier private Initiative alles aufgebaut hat. Den Zenit hat das Ganze allerdings überschritten und die Finanzkrise tut nun das übrige.

Sinnvollerweise wird hier während den langen Sommerferien (8 Wochen), Ersatzschule gegeben. Dies ist in Spanien üblich und für berufstätige Leute eine wichtige Sache. Hier unter den Bäumen lässt es sich für die Kinder aushalten und sie sind dann auch beaufsichtigt.

Wir unterhalten uns an diesem Morgen noch mit einem Mann der Strassenreinigung. Er ist mir des öfteren dadurch aufgefallen, dass er seine Arbeit mit grossen Enthusiasmus ausübt. Es ist hier wie im übrigen Europa so, dass diese Arbeiten vermehrt ‚ausgelagert‘ werden. Der Mann arbeitet von 6 Uhr bis 13 Uhr und verdient im Monat 1150 Euro. Während der Arbeit begnügt er sich mit gekühltem Wasser, welches man ihm überall offeriert. Er ist sehr angesehen hier in der Unterstadt, alle grüssen ihn freundlich. Er macht mir einen sehr glücklichen Eindruck und er ist stolz auf seine Arbeit. Sein Arbeitstempo würden hier die wenigsten mithalten können, aber er, er hat wenigsten Arbeit. Das Abfuhr- und Reinigungswesen beschäftigt in Lojà zwischen 35 und 40 Personen. Die Abfallcontainer werden wie meistens in Spanien in der Nacht geleert.

Antonio will mich in ein Lokal führen, wo es die besten Spaghetti von Lojà gibt. Wir fahren in die Oberstadt. Hier ist der Heimathafen aller Pizzakuriere in dieser Stadt. Du siehst am Abend reihenweise Motorroller mit ihren orangefarbenen Lieferkisten durch die Stadt rauschen. Ein ein-trägliches Geschäft. Alles blitzblank sauber, die Küche in Chromstahlausführung, das Restaurant nüchtern in der Ausführung, Stühle und Tische rein zweckmässig. Aber gibt es hier wirklich die besten Spaghetti? Ich bestelle einen kleinen Salat und Spaghetti Carbonara. Der Salat entpuppt sich als Portion für 6 Personen. Dies ist übrigens eine spanische Eigenart. Du hast grosses Glück, wenn du mal einen einfachen Teller erhältst. Das Ganze ist für spanische Verhältnisse meist sehr teuer, dabei ist Salat in diesem Lande wirklich preiswert. Aber die Relationen stimmen einfach nicht, wenn du für ein grosses Cordon-Bleu mit reichlich Gemüsebeilage und Pommes den gleichen Preis zahlst wie für einen Salatteller, der wie üblich in südlichen Ländern weder ein feines Dressing noch sonst eine Sauce enthält. Diesen Frust muss ich an dieser Stelle einfach loswerden.

Jetzt kommen die Spaghetti. Auch dies eine Portion für zwei Fuhrmänner und die Qualität eher dürftig. Jedenfalls haben sie mir im El Rio entscheidend besser geschmeckt.

 

Sie machen gute Arbeit

Montag, 20. Juli 2009

Es ist wieder einmal bewölkt heute Morgen, der Wind weht aus den Bergen, die Hähne krähen, nur der Hund ist heute nicht zu hören. Es ist nun 7.45 Uhr und ich gehe zum Frühstück ins Erdgeschoss. Menü, wie die ganzen 3 Wochen: Müsli, Joghurt, zwei Scheiben Toast, Butter und Konfitüre, dazu eine Tasse Kaffee. Herrlich!

Die Schwalben fliegen auch heute wie wild nach Mücken. Ihnen verdanke ich, dass ich die ganze Zeit über keine Chemie einsetzen muss, und das bei brennendem Licht und offenem Fenster. Sie machen wirklich ganze Arbeit, beim Eindunkeln unterstützt von den jagenden Fledermäusen. Der alte Kirchturm ist der ideale Nistplatz für diese Tiere,

aber auch sonstige alte Gemäuer schätzen sie sehr. Die vielen, offen verlegten Elektroleitungen erleichtern den Schwalben das Rasten.

Die beiden Katzen streiten miteinander. Niemand nimmt sie zur Kenntnis, denn Alex mag Katzen überhaupt nicht und ich will sie auch nicht im Zimmer haben. Traurig, sie sind ein Überbleibsel seiner Frau. Alex hat seinen Eintopf schon wieder verspeist, er wird heute einen neuen kochen müssen. Auf Bier verzichtet er seit Tagen. Es ist auch besser so, er scheint jemand zu sein, der ins Elend säuft. Der Nachbar kratzt wie jeden Morgen auf seiner Terrasse herum. Ich vermute er hält dort Hühner, denn Schweine hört man keine grunzen.

Das Wetter heute: Die anfängliche Bewölkung verdichtet sich zunehmend. Gibt es etwa Regen? Heisse, stürmische Winde kommen auf. Viele Blumentöpfe im Hinterhof verabschieden sich vom angestammten Platz. Ich freue mich, endlich nach drei Monaten könnte es Regen geben. Zu früh gefreut. Um 18 Uhr ist der Himmel wieder strahlend blau, kein Wölklein mehr zu sehen. Alltag in Andalusien im Sommer 2009. Die Sonne hat hier einfach zu viel Kraft. Die Hähne krähen wieder, und die Leute verziehen sich in den Schatten. Der Wind hat sich wieder verabschiedet. Das Eternitdach über meiner Terrasse hat wieder seine Ruhe. Es wird nicht mehr von den Ästen des Baumes attackiert.

Langsam, aber sicher vermisse ich das Meer von Portet, und die Abkühlung die am Abend davon ausgeht. Es sind jetzt nur noch 2 Tage, sagen wir 2 ½ Tage. Das Thermometer steigt hier regelmässig über 40°. Eine wirklich Abkühlung gibt es dann erst nach 24 Uhr, und um 6.30 Uhr erscheint schon wieder die Sonne. Ab 12 Uhr läuft bei mir der grosse Deckenventilator, vielfach bis um Mitternacht. Die 27° im Zimmer empfindet man als angenehm kühl.

Ein gar verrückter Tag

Sonntag 19. 7.2009

 

 Muss das sein? Wir fahren nach Huétor. Manuelo kennt da eine Bar, wo es am Wochenende Schinken vom Grill gibt. Wir, das sind Antonio (der Lange), Domingo, Manuelo und ich. Wir parken das Auto gegenüber. Es gibt tatsächlich zu jedem Bier eine schöne Portion Schinken, dazu frisches Brot. Das Ganze inkl. Bier kostet dann € 14.30. Manuelo will dies alles zahlen.

Als wir wieder zum Auto kommen, bemerke ich, dass auf der Beifahrerseite das Schloss ausgebrochen wurde. Dies muss in der gestrigen Nacht passiert sein. Das Auto liess sich dadurch natürlich nicht öffnen. Der Täter musste ein richtiger Dilettant gewesen sein. Wenigstens hat er daraufhin nicht noch die Scheibe eingeworfen.

Ich werde nun mal die Police studieren. Vermutlich brauche ich ja einen Polizeirapport. Alex anerbietet sich mit mir zur Polizei zu fahren. Das ist zwar sehr nett, aber seine Spanischkenntnisse sind auch nicht besser als die meinigen. Ich werde in die Bar gehen und die Sache mit Antonio besprechen. Aber heute, am Sonntag, ist der Policía Local – Posten nur mit einem Mann besetzt, meint Antonio. Man schicke uns dann sowieso zur Guardia Civil, also würden wir besser direkt dorthin fahren. Ich bin auch froh um diesen Tipp und so fahren wir dann in die Oberstadt. Er dirigiert mich auf einen Restaurant-Parkplatz. Die Zufahrt zur Kaserne ist nur mit Bewilligung der Polizei erlaubt. Also hinauf zur Kaserne, wo wir uns beim Portier anmelden müssen. Sofort werden wir ins Parterre der Kaserne geschickt, wo der Vorfall protokolliert werden soll.

Nun sitzen wir beide in einem gut klimatisierten Raum, vor uns der freundliche Beamte und über ihm ein grosses Bild des spanischen Königs Juàn Carlos. Guardia Civil eben, immer treu ergeben den jeweiligen Machthabern.

Jetzt wird das Protokoll geschrieben. Es zieht sich sehr in die Länge, sogar meinen Geburtsort will er wissen, sowie den Namen meines Vaters und meiner Mutter. Da er vieles in deutsch nicht zu schreiben weiss, muss ich zwischenzeitlich selbst in die Tastatur greifen. Im Spanischen kennt man ja keine Umlaute und da ich meine Gaffas (Brille) wieder mal nicht finde (ich habe sie wie immer am Shirt angehängt), ist die Sache auch für mich nicht ganz einfach. Nachdem ich auch noch meine Versicherungsdokumente vorweisen muss halte ich am Schluss einen 2-seitigen Rapport in den Händen. Es wird also in Zukunft nicht mehr so einfach sein in Spanien unversichert herum zu kutschieren. Das ist auch höchste Zeit. Man schätzt, dass in Spanien mindesten 25% aller Fahrzeuge unversichert in Betrieb sind. Das ist deshalb möglich, weil man beim Bezug der Nummernschilder nur den Steuernachweis sowie den spanischen TüV belegen muss. Eine spanischen Eigenart, in der ach so gut organisierten EU. Da der Guardia Civil-Beamte nun auch noch den Schaden sehen will, darf ich mein Fahrzeug herauf holen. Eine kurze Begutachtung, ein freundliches Lächeln zum Abschied. Wir sind wieder in der Freiheit. „Gurte dich bloss an“ mahnt mich Antonio. Und tatsächlich der wach habende Portier nimmt uns beim hinaus Fahren noch mal ganz schön ins Visier. Und die Gurten nicht getragen, macht in Spanien € 100.–.

Am Abend gehe ich wie immer in die Bar. Dort werde ich von Denis, einem Schotten, angesprochen. Er ist mir schon öfters begegnet und aufgefallen, da er immer wieder ein typisch deutsches Wort von sich gibt. Ich frage ihn nach seiner Herkunft. „Sitze zu uns ins Freie, dann erzähle ich dir meine Geschichte“. Die beiden, Denis und Rachel, kippen immer ordentlich Bier in sich hinein. Ich habe schon beobachtet, dass die Andalusier nicht sehr viel von ihnen halten. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Denis des öfteren ziemlich wichtig umher stolziert und die Leute dann immer bequatscht. Das scheinen nicht alle zu mögen. Ich setze mich also zu ihnen an den Tisch. Schon schnell kenne ich ihre Vergangenheit. 25 Jahre hat er bei der englischen Besatzungsmacht in Deutschland gedient. Auch sie hat dort gearbeitet, deshalb sprechen auch beide ziemlich gut deutsch. Sie finden Alex sei ein richtiger Scheisskerl, er habe die Krankheit seiner Frau auf dem Gewissen. Ihre Antipathie hat sogar einmal zu einer richtigen Schlägerei vor dem El Rio geführt. Alex wurde darauf hin sogar ins Spital gebracht, sein Nasenbein war gebrochen. Na ja…..wenn sich allerdings ein 67-jähriger Mann noch dermassen prügelt, ist das doch wirklich eigenartig. Jedenfalls frage ich Rachel, weshalb sie so blaue Flecken am Arm hat. Ein Moment des Schweigens …. Ich bin gegen einen Kasten gelaufen. OK, ich weiss eigentlich schon fast genug. Sie haben übrigens täglich telefonischen Kontakt mit der Frau von Alex. Die Familie von Alex hätte riesige Probleme, mehr wollen sie mir dazu nicht sagen. Irgendwie stehe ich dazwischen, und das macht mich nicht sehr froh.

Ja, der Alkohol scheint hierzulande ein grosses Problem zu sein. Es wird gesoffen, was das Zeug hält. Ich glaube, im Grunde genommen sind hier viele Ausländer ziemlich einsam. Denis und Rachel raten mir, das nächste Mal bei ihnen zu logieren und betonen „gratis natürlich“. Voller Stolz sagt er mir, er bewohne ein 400-jähriges Altstadthaus, zwei Seitenstrassen oberhalb von Alex.

Ja, um Kontakte musst du dich hier wirklich nicht gross kümmern. Die Menschen sind froh um jede Abwechslung. Palavern den ganzen Tag, und immer schön ein Bierchen dazu trinken. Viele Andalusier bevorzugen allerdings Drinks. Whisky Cola, Cuba Libre oder Gin Tonic. Auch wenn diese nur € 2.50 kosten, frage ich mich doch öfters, woher sie das Geld haben. Allerdings scheinen sich fast alle von den Tapas zu ernähren und diese sind ja in-

begriffen. Dabei richten sie dann auch noch ungeniert ihre speziellen Wünsche an den Wirt. Die kostenlosen Tapas sind für sie eine Selbstverständlichkeit.

In die Sierra Nevada

Mittwoch/ Donnerstag. 15./16. Juli 2009

Eine letzte grössere Tour steht an. Geplant ist über die Sierra Nevada zu fahren und auf der anderen Seite das höchst gelegene Dorf Spaniens mit seiner bekannten Eichel-schinkenproduktion zu besuchen.

Auf der A92 geht es in einer halbstündigen Fahrt nach Granada. Am Ende der Stadtautobahn scheint mir der Mythos der Alhambra übermächtig zu werden. Also abgebogen und zur grossen Luxusburg der Mauren gefahren. Ich parke auf Parkplatz 3. Alles andere ist ausgebucht. Kaum ausgestiegen und auf den Marsch gemacht, werde ich von 3 Zigeunerinnen angehalten. Eine drückt mir einen Rosmarinzweig in die Hand. Ich verstehe naiver weise das Ganze als Willkommensgeschenk. Es hat aber einen anderen Hintergrund. Sie wwill mir aus der Hand lesen. Ziemlich unartig drücke ich ihr den Rosmarin wieder in die Hand, und mache mich auf den Weiterweg. Paga, paga, keifen die 3 Weiber hinter mir her. Das beeindruckt mich allerdings wenig und ich setze meinen Weg zum Haupteingang fort, zusammen mit Strömen von Menschen. Geduldig platziere ich mich in einer Wartekolonne in der prallen Sonne. Keine Preisangaben, nichts. Jeder will sie sehen und dies wird ziemlich brutal ausgenutzt. Halb Granada will von diesem Tourismusmagneten leben. Dabei entsinne ich mich, das Buch über die Alhambra bereits zwei mal gelesen zu haben. Was könnte ich eigentlich noch neues sehen? Als nach 20 Minuten die Schlange immer länger ist und vorne niemand hineingelassen wird, Wähle ich den Abgang durch die Mitte, respektive unter dem Absperrseil durch. Kommerz total. Auf dem Rückweg beobachte ich, wie ein Parkwächter die Zigeunerinnen verscheucht. Sie werden 100 Meter weiter ihr Handwerk wieder aufnehmen. Ich verlasse den berühmten Ort.

Also auf zum höchsten Berg des spanischen Festlandes, dem Mulhacén, in die Sierra Navada. 3482 m hoch gelegen ist er und das nur 32 km Luftlinie vom Meer entfernt. Auf einer gut ausgebauten Strasse geht es aufwärts. Alle 500 m Höhenmeter steht ein Hinweisschild. Die Strasse führt hinauf zum Wintersportort Sierra Nevada. Hier also haben sie Ski laufen gelernt, die grossen Stars der spanischen Nationalmannschaft. Es gibt hier viele Hotels und auch eine Jugendherberge. Auf 2400 m gelegen ist Sierra Nevada einiges höher als Zermatt mit seinen 1600 Metern, allerdings bei weitem nicht so gross.

Die Strasse ist ab hier nicht mehr so breit. Überall wird an der Wasserversorgung gebaut.

Aber was ist das? Ein grosser Parkplatz mit einer Imbissbude beendet die Überfahrt.

Nein, ab hier geht es nur noch mit dem Bus weiter. Zwei Tafeln mit „Verbotene Durchfahrt“ signalisieren das Ende. Einige Autos fahren doch durch. Es sind Parkwächter und Arbeiter, was ich eben nicht weiss. Spanisch, wie ich nun schon ein bisschen geworden bin, wage auch ich mich weiter. Eine Barriere nach 300 Metern verhindert dann allerdings die Weiterfahrt und der Parkwächter sagt mir höflich aber bestimmt, dass es für mich keine Durchfahrt gebe. Auch der spanische Naturschutz beginnt also langsam zu greifen, recht so. Die nahe Kaserne der Guardia Civil sowie die Höhenforschungsstation der Universität Granada werden noch kurz begutachtet und dann geht es talwärts.

Das oberste Stück der Strasse wird neu angelegt. Die Verkehrsregelung hier funktioniert

echt spanisch. Es wird jeweils nur ein Auto durchgelassen. Wie das funktioniert? Der Arbeiter drückt mir ein Holzstück in die Hand mit der Aufforderung „Gib es meinem Kollegen auf der anderen Seite“. Sobald dieser mich kommen sieht, springt er auf, nimmt mir das Holzstück ab, bedankt sich auch noch und lässt „sein“ Auto passieren. Alles klar?

Nach einer Stunde und einem Bier bin ich dann wieder unten in Granada und nehme die Autovia Richtung Motril. Schon in Lanjarón fahre ich ab. Diese kleine Stadt ist bekannt für ihr Mineralwasser und liegt auf der anderen Seite der Sierra Nevada. Hier esse ich etwas. Es ist wunderbar und kostet mit einer halben Flasche Wein und einem Espresso ganze 8 Euro. Zur Auswahl standen 4 Primeros und 4 Secondos. Dass von hier angeblich 90% des spanischen Mineralwassers herkommt, kann ich dann aber doch nicht glauben. Diese Angaben sind aus den 70-er Jahren, aber da hat man auch noch eher Sangria etc. getrunken.

Hier ist auch der Eingang ins schöne Alpujarra Tal. Besonders wegen der üppigen Flora ein beliebtes Wandergebiet im Frühling und Herbst. Windräder begrüssen einem fast unheimlich am Taleingang. Die Riesendinger stehen teilweise fast an der Strasse und irritieren ganz schön.

Vorerst weiter nach Orjira. Hier beginnt die Bergstrass hinauf nach Treveléz. Dort werden die Schweine in den Eichelwäldern gehalten. Der Schinken, welcher nur hier produziert wird, soll allererster Güte sein, nussig im Geschmack, und in der Bergluft getrocknet. Man muss ihn allerdings in den Läden kaufen im Restaurant erhalte ich ihn nicht. Zu teuer, der Kommentar. Eigentlich schade. Eicheln fressende Schweine sehe ich keine, sie verziehen sich bei dieser Hitze vermutlich in die Wälder.

Das Hotel in welchem ich ab steige ist absolut top, nur 1 Stern zwar, aber ein schönes Zimmer mit Badezimmer für 25 Euro. Der Betreiber, Pepe Alvarez, leidet allerdings an der spanischen Urkrankheit. Ist ziemlich faul der Kerl. Da auch er mir dann zu jedem Bierchen 1 Tapas serviert, bin ich dann schon satt und er muss keine lange Bestellung aufnehmen. Aber auch hier, wie in ganz Spanien, das alte Lied. Man bräuchte 2 Restaurants, gebaut werden dann 12, mit der tragischen Folge, dass eigentlich alle so gut wie leer sind. Wer hat ihnen allen nur das Hohelied der reichen Touristen vorgespielt? Zwar ist dieses Hotel mit 5 Partien gut gebucht, die jungen Spanier schleichen sich dann allerdings in einen Mercado, kommen mit einem Sack Esswaren zurück und verzehren das ganze auf dem Zimmer. Getrunken wird dann auch noch in einem anderen Lokal. Allerdings stolzieren sie herum wie Millionäre. —– Was für gute Gäste waren wir jeweils bei den Naturfreunden in der Schweiz.

Alle träumen sie von den reichen Gästen die von der Costa del Sol hochfahren und das grosse Geld ins Dorf bringen. Aber die „reichen“ Gäste fressen aus dem Plastiksack und beziehen ihr gekühltes Cola beim Tourist-Infostand. Dabei gibt sich das Land Andalusien soviel Mühe diesem traumhaften schönen Tal etwas Leben einzuhauchen. Vor allem sind keine Bergbahnen hier, welche die Leute in die Höhe karren würden. Mag sein, dass dies der Grund ist, dass nicht mehr Touristen hier sind. Auch gibt es nur 2 Wanderwege, und die sind beide 6 – 8 Std. lang, ohne Verpflegungsmöglichkeiten unterwegs. Nicht jedermanns Sache. Im Frühling und Herbst sicher machbar, im Sommer fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Einheimischen baden übrigens in der Treveléz, welche auch jetzt noch ziemlich Wasser führt.

Am anderen Morgen mache ich mich ohne Z’Morge auf den Rückweg. Der Wirt ist zwar

schon auf, aber ein Kaffee oder so? Das hätte ihm eindeutig zu viele Mühe gemacht. Er macht schliesslich erst um 9 Uhr auf. Was man unten an der Küste jetzt begriffen hat ist hier oben eben noch nicht angekommen: Die Freundlichkeit zum Gast und der Wille zur perfekten Dienstleistung. Es wird vielleicht noch kommen. Mañana … Hoffen wir es!

Um vielleicht doch noch etwas Lesbares aufzutreiben, fahre ich noch einmal in die Altstadt von Granada. Mit grossem Glück finde ich einen Parkplatz gegenüber eine Kaffeebar.

Endlich, das Sandwich und die 2 Milchkaffees schmecken herrlich, die Bedienung hier ist sehr angenehm. Den zweiten Kaffee muss ich nicht einmal bezahlen.

Granada hat zwar eine schöne Altstadt, die heute zu einem grossen Teil autofrei ist. Die Camioneure fugen die ganzen Pakete mit Sackrollis hinein. Bis 9 Uhr scheint auch ein Lieferdienst möglich zu sein. Der Verkehr rings um die Altstadt ist allerdings massiv und die Strassen werden fortwährend ausgebaut. Die Trams, welch früher durch die Stadt

fuhren, sind eliminiert worden. Der Spanier ist ein Auto- und Rollerfan, auch wenn der Busbetrieb gut ausgebaut wurde. Fazit: Granada ist sicher einen Ausflug wert, dies gilt allerdings eher für die Damenwelt. Denn zum „Lädele“ bietet sich diese Stadt ganz bestimmt an, womöglich sollten jedoch Frühling und Herbst dazu genutzt werden. Es gibt hier grosszügig angelegte Plätze mit Bäumen und Restaurants zum verweilen. Die Preise sind bezahlbar, auch wenn es hier sicher etwas mehr kostet als auf dem Lande. Dies ist allerdings weltweit so und auch verständlich. Falls du hier allerdings etwas lesen möchtest, nimmst du es besser mit. Im Unterschied zur Küste gibt es hier so gut wie keine deutschsprachige Literatur, obwohl es nur so von Touristen wimmelt. Verweilen tut man, so scheint es, nicht lange in Granada. ….Tourismus eben im Jahre 2009 !

Alex will mich heute zum Fussballspielen mitnehmen. Er spielt jeden Donnerstag aktiv

in Antequera in einer gemischten ausländischen Mannschaft. Es ist mir zu heiss und ich ziehe es vor, zum Türken zu gehen. Einen Dürüm soll es wieder einmal sein dazu zwei Cola. Er schmeckt mir sehr gut. Der Wirt, der arme Kerl, hat sich dieses Restaurant im Frühling gekauft. Er ist zugezogen von Alicante und hat dafür 150’000 Euro bezahlt, wie er mir voller Stolz berichtet. Aber der Andalusier scheint kein Fan dieser Kost zu sein. Jedenfalls bin ich wieder einmal der einzige Gast und Türken gibt es hier sehr wenige.

Auf dem Rückweg kaufe ich in einem Tante Emma-Laden (die gibt es hier noch in grosser Zahl) 1 ½ Kilo Pfirsiche. Nach dem Duschen treffe ich Domingo und Manuelo in einer Bar, das Rio hatte Wirtesonntag.

Wieder mal bin ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Um 10 Uhr ist aus der Nacht eine eigenartige Blasmusik zu hören, welche unterstützt durch Trommelschläge in langsamem Schritt aus einer Altstadtgasse auftaucht. Der Dirigent scheint sie im Takt und Schritt zu bremsen. Immer mehr Leute mit grossen brennenden Kerzen in den Händen schliessen sich dem eigenartigen Zug an. Dieser entfernt sich in eine andere Gasse und es wird bald wieder still.

Also zurück in die Bar. Allerdings nicht für lange, denn nach einer halben Stunde ertönt erneut wieder diese eigenartige Musik. Das muss ich sehen. Und dann taucht sie auf. Eine riesige Maria-Statue, von 16 Männern getragen, biegt langsam um die Ecke. Sie ist hell erleuchtet. Und wieder dieser bedächtige Gang, so alle 2 Sekunden ein Schritt. Es folgen ihr, so typisch spanisch, der Pfarrer und die Honoratioren der Stadt und anschliessend das gemeine Volk. Das ganze kommt auf dem Dorfplatz zu stehen. Einige Musiker nutzen die kurze Pause um in der Bar ein Bier zu kippen.

Jetzt stimmt die Musik wieder ihre melancholische Musik an. Die Statue wird wieder gebuckelt und alles verschwindet in der Altstadtgasse. Da muss ich dabei sein. Der Zug bewegt sich Richtung alter Kirche. Dort angelangt wird die heilige Jungfrau mit grosser Präzision durch den Haupteingang getragen und neben dem Altar abgestellt. Sie ist sicher an die 4 ½ Meter hoch. Der Pfarrer spricht noch ein paar Worte, alle bekreuzigen sich. Jetzt wollen alle möglichst schnell aus der Kirche. Teilweise wird richtig hinaus geeilt. Die Feier ist vorbei. Man muss sie gesehen haben und ich war dabei.

Das Kläffen zweier Hunde weckt mich heute um 6 Uhr früh. Ich sitze auf dem Balkon um meine Gedanken zu Papier zu bringen. Ich habe mich gestern eingehend mit dem Abstieg des weltweit grössten Versicherungskonzerns der AIG befasst. Die Geschichte in Kürze:

Der Börsenwert dieses Unternehmens stieg von 1990 bis 1998 von 4,8 auf 120 Milliarden.

Wie gesagt der Börsenwert. Da kam einem Finanzgenie in den Sinn faule Kredite der Banken gegen gute „Gebühren“ zu versichern. Der Ertrag stieg und stieg. Der Börsenwert auch. Alle jubelten. Die Rating Rate ein stolzes AAA+. Zum ersten Mal versuchte man Geschäfte mit Schulden zu machen, man verbriefte sie gegen Gebühren. Es wurden keine fixen Personen- und Sachwerte wie Menschen, Autos, Schiffe, Flugzeuge und Fussballer-beine versichert, sondern nicht bemessbare Schulden. Der Börsenwert stieg bis 2005 auf 240 Milliarden Dollar. Alle jubelten noch mehr. Keiner schien sich Gedanken zu machen wie es möglich war, dass eine Firma in nur 12 Jahren ihren Börsenwert um das 48-fache

steigerte. Es gab laut „Experten“ nur eine Erklärung: Das sind eben Topmanager. Einfache Angestellte mit einem Jahresgehalt von 100’000 Dollar erhielten Boni von 500’000 Dollar.

Andere Unternehmen sind auf diesen „lukrativen“ Markt aufgesprungen. Sie sind inzwischen alle verschwunden, hinweg gerafft von der globalen „Finanzkrise“. Die grosse AIG konnte nicht fallen gelassen werden. Es wäre alles zusammen gebrochen. Der amerikanische Staat hat 258 Milliarden Steuergelder in das marode Unternehmen gesteckt und ist damit mit 77% Haupteigner dieses Unternehmens geworden. Der aktuelle Börsenwert liegt aktuell noch bei 1,3 Milliarden. Ende der Story !!!

Aber, was hat das alles mit Andalusien zu tun? Ich denke sehr viel. Hier, aber nicht nur hier, wird mit wenig arbeiten und dem Geld anderer überlebt. Die EU macht es möglich.

Aber bleiben wir realistisch. Auch in der Schweiz wirbt man bei jungen Leuten doch jetzt zu kaufen und in 5 Monaten zu zahlen. Interdiscount als Tochter der guten alten COOP macht es möglich. Immer mehr wird Geld ausgegeben welches faktisch gar nicht vorhanden ist. Hier in Andalusien scheint mir das Ganze noch tragischer zu sein, da die Menschen wirklich ziemlich faul sind. Die Spirale dreht sich immer schneller.

Gut, wenn man sein Geld noch in Sachwerten angelegt hat, selbst wenn auch da im Moment Verluste von 40% zu beklagen sind. Nie und nimmer werden diese reellen Objekte jedoch nur noch einen 2000stel des Wertes haben. So gesehen bin ich heute wieder froh, mein Haus in der Schweiz noch zu haben. Ein Restrisiko bleibt jedoch, wenn die Staaten dieser Welt die ungeheuren Sozialkosten nicht mehr tragen können, respektive nicht mehr tragen wollen. Bleibt zu hoffen, dass dann nicht alles wieder in Schutt und Asche geschossen wird, um wieder neue Geschäfte zu machen.

Die Reichtümer von Domingo

Samstag, 18.7.2009

Ich bin nach dem Frühstück pünktlich um 8 Uhr vor der Bar. Und tatsächlich, Domingo spaziert schon seit 20 Minuten in der Gegend herum. Angezogen wie immer: Blaue Arbeitshose, geschlossene Sandalen und helles Hemd.

In der Kühle des Morgens fahren wir erst einmal nach Ventorres. Ich will mit ihm noch einen Kaffee trinken. Er lehnt ab und steht einfach neben mir bis mich ausgetrunken habe.

Wir durchstreifen seine Olivenhaine, wobei er mir auch die Obstbäume dazwischen zeigt. Der Ertrag von Pfirsichen, Feigen und Pflaumen scheint allerdings mangels Wasser ziemlich dürftig auszufallen. Oliven die „Allesüberleber“ haben keine Mühe mit der Trockenheit. Domingo ist ein kleiner Grundbesitzer, nichts von intensiver, maschineller Bearbeitung. Das Ganze eher mühsam angelegt.

Domingo hat zeitweise viel Mühe die sandigen ausgetrockneten Unebenheiten zu überwinden und kriecht dazwischen auf allen Vieren eine Kuppe hinauf. Aber er ist sichtlich stolz auf sein Grundstück, welches jetzt ein Enkel bearbeitet. Allerdings sieht alles nicht sehr ordentlich aus.

Die alte Quellfassung; „Du musst sie unbedingt noch sehen“. Hier haben die Olivenbauern eine eigentliche Waschstube eingerichtet, wo die Netze nach der Ernte gewaschen werden. Das Wasser fliesst tatsächlich auch jetzt in der trockenen Jahreszeit kühl aus der Röhre. Es sei qualitativ sehr gutes Wasser, sagt Domingo. Eine Frau kommt vorbei und füllt 2 Pet-Flaschen ab. Auch ein bescheidenes Plumpsklo ist vorhanden.

Wir fahren nach Zagria hinunter. Überall alte Leute, die am Schatten unter den Arkaden sitzen. Junge siehst du keine. Ein Landwirt der mit seinem Gefährt durch den Ort tuckert ist der einzige Mensch, den ich beim Arbeiten erwische. Die Meisten hier sind pensioniert, die Jungen zu fast 100 Prozent arbeitslos. Eine Gaststätte gibt es nicht, dafür einen grossen Stützpunkt der Guardia Civil. Eventuell ist er noch noch in Betrieb. Die Rollläden sind unten, vielleicht döst noch irgend ein Beamter im Schatten dieser Kaserne.

Wir parken das Auto und gehen zu Fuss weiter. Domingo zeigt mir sein erstes Haus. Klein, sehr klein ist das Häuschen. Ein paar Schritte weiter läutet er an einem anderen Haus. Nach einer Weile öffnet eine junge Frau. Sie hat um 11Uhr noch geschlafen, auf einer Matratze die sie am Boden des Wohnzimmers ausgelegt hatte. Diese wird schnell beiseite geschafft. Überall herrscht eine grosse Unordnung. Im Vorraum des alten WC gibt es bestimmt 2 Dutzend Kanarienvögel, im WC selbst einen zahmen Spatz. Domingo holt ihn mit der Hand hinaus. Der Spühlkasten nicht mehr dicht, gibt ununterbrochen Wasser ab an die Fosa. Er will mir trotzdem das Obergeschoss zeigen. Hier hat er alles renoviert und es sieht richtig zeitgemäss aus. Ich muss alles fotografieren, auch das Gästezimmer, das mit Gartenwerkzeugen und Kleidern völlig übersät ist.

Seine Häuser befinden sich alle unter einer Felswand, die mit Höhlen durchsetzt ist. Das dritte Objekt ist auch bewohnt, macht aber schon von aussen einen jämmerlichen Eindruck. Ein junger Bursche kommt daher. Es ist sein Enkel, arbeitslos auch er. Sie umarmen sich.

Später frage ich Domingo, wie viel Miete man hier für ein kleines Haus bezahle. Er sieht mich verständnislos an und sagt mir, dass er hier gar keine Miete erhalte. Sie haben ja alle keine Arbeit. Ein Handy haben sie trotzdem und unten im Dorf ist der Ford Fiesta seines Enkels parkiert, den er mir mit grossem Stolz zeigt. Er selbst fährt kein Auto. „Wie ist es dann vor 30 Jahren gewesen?“ frage ich ihn. Die Antwort kommt umgehend: „Viel schlimmer als heute“. Heute haben die Alten wenigstens eine Rente zwischen 430 und 520 Euro. Wir machen uns auf den Rückweg. Er will mir noch eine Finca zeigen. Langsam begreiffe ich, dass auch er erhebliche Geldprobleme hat. Die Finca stellt sich als alter Bahnhof von Huétor Tájar heraus. Hier wohnen einige seiner Freunde, hier kann er ohne Geld ein Glas Wein aus der Tetrapackung trinken. Ein riesiger Bahnsteig ist mit einem hohen Maschenzaun abgesperrt, das Gebäude inzwischen bewohnt von armen Leuten.

Und wie das alles aussieht. Auch wenn ich Afrika nicht kenne, viel primitiver kann es da auch nicht zugehen. In der Küche herrscht ein heilloses Durcheinander. Speisereste stehen auf dem Herd. Was nicht Platz im Kühlschrank hat, wird irgendwo auf den Boden gestellt. In der Stube fällt der Putz von den Wänden und man sieht auf den ersten Blick, dass kein einziger Einrichtungsgegenstand gekauft wurde. Im Schlafzimmer liegen sämtliche Kleider auf dem Bett.

Auf der gegenüber liegenden Seite wurde zusätzlich ein Häuschen aufgestellt. Auch hier haust eine Gitano-Familie. Zwischen den “Wohnungen“ gibt es einen Wasserhahn, die Waschgelegenheit für die ganze Ueberbauung. Die Frau von gegenüber wiegt bestimmt 130 Kilo. Keck macht sie sich ein bisschen frisch am Wasserhahn und strahlt uns alle an. Auch ein halbes Dutzend Hunde kann noch ernährt werden. Sie sind am Boden angekettet. Beim neu errichteten Häuschen steht sogar eine Waschmaschine. Auch sie stammt natürlich aus dem Müll und steht ziemlich schief auf ihrem Betonsockel. Trotzdem scheinen alle glücklich und lebensfroh zu sein.

Der Gitano will mir seinen Garten zeigen. Und man glaubt es kaum, hier sieht alles recht ordentlich aus. Domingo pflückt für mich ein paar Zuckerbirnen. Alles was angebaut wurde, gedeiht auch prächtig. Weiter hinten zeigt er uns seine beiden Maultiere. Sie äsen am Bahnbord und scheinen es zu geniessen. Auch die Wasserversorgung für den Garten funktioniert. Schnell werden noch zwei Riesentomaten gepflückt. Er will sie für uns aufschneiden, dazu ein Glas Weisswein, der Liter zu 85 Cents. Ich biete allen eine Zigarette an, was sie auch dankbar an nehmen. Es wird erzählt und gelacht und als sein Handy keine Gutschrift mehr im Speicher hat, grinst er mich an „No dinero“ und nimmt ein zweites aus dem Kasten. Nein, unglücklich sind sie nicht diese beiden Gitano-Brüder. Und Sorgen machen sie sich auch keine. Sie müssen der Renfe (die spanische Eisenbahn) auch keine Miete bezahlen. Im alten, halb abgebrochenen Kamin des Wartesaales summen Bienen. 15 bis 18 Kilo Honig ernte er hier. Dass ich ihm das nicht abnehme, muss ja nicht gesagt werden. Man will uns noch irgendwas kochen, was wir aber dankend ablehnen. Die Gitanos setzen sich unter die Reben, trinken irgend was und sind glücklich.

Als wir später abfahren mache ich Domingo Vorwürfe, dass wir mit leeren Händen diesen Besuch gemacht haben. Er will es nicht wahr haben.

Der Rest ist Alltag an diesem Samstag. Tapas , Siesta, lesen und ab ins El Rio. Domingo borgt sich bei dem zahnlosen Spanier noch 20 Euros. Warum fragt er mich nicht?

Er ist nicht zu beneiden. Hoffentlich lebt er noch ein paar Jährchen. Armut in Andalusien und an der Küste das großkotzige Gebaren der Schönen und Reichen. Das ewige Gebimmel der Kirchen erinnert mich daran, dass ihr Ende schlussendlich auch nicht anders sein wird als jenes der Gitanos. Vielleicht aber glauben sie tatsächlich mit den hinterzogenen Steuergeldern glücklicher zu sein als die Zigeuner. Sicher werden sie noch ein paar Jährchen länger leben. Man wird sie noch durch ein paar Spezialkliniken schleusen. Aber am Ende werden auch sie zu Asche verfallen, zu Dünger für das Land Andalusien.

 

 

 

Morgengedanken

Morgengedanken

Alex offerierte mir gestern Abend eine Maschine Wäsche zu waschen, was ich dankend an nahm. Er war überglücklich, dass er seine Zähne und seine Schlüssel wieder gefunden hat. Ich freute mich mit ihm und fragte ihn nach der Waschmaschine. Schnell hinein damit und lesen bis das Programm beendet ist. Sie Schublade des Gerätes ist so verklebt mit Waschmittelrückständen, dass sie sich gar nicht schliessen lässt. Trotzdem springt die Maschine an. Diese Schublade aber zu reinigen wäre nicht das Richtige; ich will Alex nicht unnötig beleidigen. Aus dem gleichen Grund lasse ich den Terrassenboden so sein wie er ist. Katzenhaare und Blätter bedecken ihn. Auch der Abfluss im Aussenbrunnen auf der Terrasse ist verstopft. Allerdings wäscht er Morgen mein Bettzeug schon zum dritten Mal. Meine Meinung über die „Drecksverteiler“, das sind die Stiele mit den langen Fasern, die hier in Spanien alle verwenden, hat sich noch mehr ins Negative gekehrt. Der Badezimmerboden ist in der Mitte zwar sauber, aber der Dreck liegt nun einfach an den Rändern und in den Ecken. Ohne sich zu bücken kann man eben keinen Boden sauber kriegen. Hätte ich nicht Ferien, die Arbeit würde mir nicht so schnell ausgehen.

Der Rio Gentil, der durch dieses Dorf fliesst, entspringt in der Sierra Nevada und vereinigt sich in Palma del Rio mit dem mächtigen Guadalquivir. Den Namen haben ihm die Muslime gegeben. Damals war dieser Fluss bis vor die Tore Cordobas schiffbar. Mit den heutigen Frachtern ist dies natürlich nicht mehr möglich. Dies ist auch der Grund weshalb die drei andalusischen Schwestern entstanden. So nennt man die drei Städte Sevilla, Cordoba und Granada. Ich werde Sevilla und Cordoba in einer anderen Jahreszeit bestimmt noch besuchen. Der Handel florierte hier, vergleichbar mit der Hanse im Norden Deutschlands. Aber das hat sich jetzt natürlich gewaltig geändert.

Ich will diese Woche noch in die Sierra Nevada fahren. Über sie führen zwei Strassen an die Costa. Mein Schwiegersohn Beat ist mit Kollegen auf dem Motorrad darüber gefahren.

Nach seiner Aussage kriegten die Motorräder kaum noch genügend Sauerstoff und verloren stark an Leistung. Der Scheitelpunkt der Passstrasse liegt bei über 3300 Metern. Im Vergleich schneidet der Gotthardpass geradezu bescheiden ab. Einzelne Schneefelder sind auch jetzt noch, im Monat Juli und 40°am Schatten, zu sehen. Generell fällt auf, dass viele Strassen hier mit Glatteis-Hinweisen versehen sind. Auch Windfahnen gibt es an vielen Stellen. EL Andaluz kann also auch anders sein. Die drei Sommermonate allerdings sind erdrückend.

Es ist jetzt 20 Uhr. Die Waschmaschine ist beim letzten Spülgang angekommen. Noch schnell die Wäsche aufgehängt und ab in die Spaghetti. Die habe ich nämlich auf heute Abend bestellt. Nach bald 3 Wochen mit Kartoffeln bin ich fast schon süchtig nach „Teigaffen“. Eigentlich bin ich recht skeptisch, denn ich sah bis heute in Andalusien noch nie jemanden Teigwaren essen. Es ist sicher nicht so, ich hab es nur nicht gesehen. Hier gibt es natürlich auch Pizzerias, ich habe aber bis heute noch keine besucht.

Und ob er es kann! Miguel ging selbst in die Küche (Ana war noch nicht da). Er bereitete mir Spaghetti Typo Bolognese mit reichlich Olivenöl…… Ich habe noch selten bessere gegessen. Dazu wie immer ein grosser Salatteller. Herrlich! Ich versuche dazu ein Glas Rioja. Nun ja, solch edle Getränke werden, da zu teuer, hierzulande eigentlich nicht getrunken. Entsprechend bescheiden ist das Resultat. Ich kann aber gut damit leben, verzichte allerdings auf ein zweites Glas. Überhaupt ist die andalusische Küche zwar sehr schmackhaft aber immer günstig. Einige Tapas, z.B.

zusammen gehauene Schweinebeine an köstlicher Sauce

Sardinen und andere kleine Fische (täglich)

Voressen mit Knochen

Pulpe (Tintenfische)

Bratkartoffeln mit reichlich Olivenöl

Kartoffelsalat

hauchdünne Zucchetti in Olivenöl gebraten

und der ewige Renner von Ana: die feinen grossen Bohnenkerne mit Speck.

Ich muss mir abgewöhnen die Leute nach ihrer Arbeit zu fragen. Sie sind entweder Rentner oder arbeitslos. Und wenn sie Arbeit haben verdienen sie € 3.50 bis max. € 5.50.

Das sind allerdings Leute, die irgend welche Hilfsarbeiten erledigen. Ein gut qualifizierter Chauffeur kann auch € 1’350 verdienen. Bank- und Verwaltungsangestellte vielleicht noch etwas mehr. Ein junger Berufsmann erreicht kaum die Marke von €1000.

Warum die Andalusier neben Bier sehr oft auch Cuba Libre (€ 2.50) trinken, vermag ich an dieser Stelle nicht zu erklären. Allerdings wird der Schnaps in grosser Menge ins Glas gefüllt. Nicht vergleichbar mit der Schweiz. Man wird auch viel nach Zigaretten gefragt, bekommt allerdings auch mal eine angeboten. Die Bilanz allerdings ist stark negativ…..

Fuma !!!

Andalusien, die traurige Geschichte

Dienstag 14. Juli 2009

Gestern ging ich um 23 Uhr ins Bett. Mitten in der Altstadt wecken einem morgens um 6 Uhr krähende Hähne und vereinzelt ist Hundegebell zu hören. Sie begrüssen den noch angenehm kühlen Morgen. Angenehmes Klima um auf dem Balkon zu sitzen und den gestrigen Tag Revue passieren zu lassen.

Ein weiteres schönes Ereignis durfte ich gestern im andalusischen Hinterland erleben. Schade, dass ich halt wirklich nicht viel verstand. Aber die Art und Weise wie das Ganze vorgetragen wurde war toll, kräftig mit klarer Stimme und sehr poetisch. Sinngemäss habe ich verstanden. Es ging um den spanischen Bürgerkrieg, in welchem alleine in Granada mehr als 1000 Opfer zu beklagen waren. Andalusien, und wenn ich dies sage, meine ich das Hinterland, ist eben klar sozialistisch. Mit dieser Einstellung stand man Generalissimo Franco klar im Wege als er an die Macht drängte. Man scheute sich damals noch nicht einmal, einen so populären Volksdichter wie Féderico Garcia Lorca in einer Talschlucht bei Viznar zu erschlagen und zu verscharren. Ein Hauptmann der Elitetruppe hatte ihn dorthin verschleppt und diese Tat vollbracht. Lorca hatte sich getraut die Guardia Civil öffentlich anzuklagen. Das war im Jahre 1936, zu Beginn des blutigen Bürgerkrieges dem 10’000-e Andalusier zum Opfer gefallen sind. Auf diesem Boden in Andalusien ist in den letzten 1800 Jahren sehr viel Blut geflossen. Dagegen sind die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Schweiz gerade zu klosterhaft. In den Liedern und Gedichten werden diese traurigen Zeiten verarbeitet. Bis auf den heutigen Tage ist eine klare Verachtung aller Obrigkeit zu spüren, auch wenn man heute nur überleben kann, dank Milliardenhilfen aus der EU. Kaum einer kennt den Namen des spanischen Königs und wäre der Präsident Spaniens nicht ein Andalusier, man würde auch ihn nicht kennen.

Die jetzige Regierung wird dabei mehrheitlich als sozialistische Diktatur wahrgenommen, dabei übersieht man gerne was diese an Geld in dieses Bundesland „pumpen“ muss.

Wie krass aber ist der Unterschied an der Küste, wo es nur so von Reichen und Superreichen wimmelt und dem Hinterland, wo auch heute noch die meisten Menschen in bitterer Armut leben. Und die gewaltigen, subventionierten Aufstockungen mit Oliven, haben eigentlich mehr Probleme geschafft als gelöst. ‚Den heutigen Tag‘ leben ist hier kein Spruch sondern zur gelebten Tatsache geworden. Und wenn man keine Zukunft sieht muss man auch nicht an sie denken.

Das junge Gitano-Paar, welches ich schon beschrieben habe, kommt auch heute um 22.30 Uhr ins Rio. Die beiden Kinder werden, so ist zu vermuten, von den Tapas Miguel’s und dem Zigarettenrauch ihrer Eltern ernährt. Allerdings sieht man hier auch viele dicke Kinder, aber das ist ja im übrigen Europa auch nicht anders.

Heute Morgen ist es, oh Wunder, bedeckt. Um 10 Uhr hat die gleissende Sonne dann schon wieder alles verbrannt. Heute muss ich noch einmal mein Portemonnaie auffüllen, und dabei komme ich beim örtlichen Arbeitsamt vorbei. Es ist gerammelt voll, obwohl sich die Arbeitslosen selten bis nie melden müssen. Dabei stellt man sich schon die Frage, woher der Staat das Geld für die Unterstützung überhaupt noch her nimmt. Auch das Sozialamt ist in einem veritablen Gebäude untergebracht. Und Euros lassen sich bekanntlich einfach neu drucken. Hiesige Finanzfachleute prognostizieren nach der Krise eine Inflationsrate von bis zu 20 Prozent. Hoffentlich haben sie wieder einmal nicht recht.

Aber hier wird auf Pump gelebt was das Zeug hält. Jedes 10-jährige Kind läuft mit einem Handy herum, die Halbwüchsigen rasen mit ihren Rollern durch die Gegend (ab 14 J), und die Volljährigen gönnen sich ohne weiteres einen schicken Kleinwagen oder sogar ein Cabrio. Damit wird dann vor der Bar El Rio mit dröhnenden Lautsprechern paradiert. Auch wenn sie in 2 Jahren nicht verdienen was ihre Karossen kosten. Die Alten sehen erstaunt zu und erfreuen sich ihrer alten Vehikel. Gewinner wird es in dieser Gegend allerdings auch geben. Zu viel EU-Geld ist nach Südspanien geflossen. Irgend wo wird auch etwas hängen geblieben sein. Die arbeitsfähige Bevölkerung und das Handwerk gehören sicher nicht dazu. Ironischer Weise kommt einem das alte Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“ in den Sinn.

Manuelo, der sich früher als Akkordant auf dem Bau seine Brötchen verdient hat, lebt scheinbar trotzt Arbeitslosigkeit gar nicht schlecht. Er treibt sich den ganzen Tag in Bars herum. Seiner Familie mit den beiden Kindern scheint es auch nicht schlecht zu gehen. Aber alles kann man bekanntlich auch nicht verstehen und das ist auch gut so.

Im Fernsehen hört man nur am Rande von der Krise. Über Stierkämpfe und die Strassen-rennen mit Stieren in Pamplona und anderswo wird ununterbrochen berichtet. Irgend welche billigen Shows den ganzen Tag. Seit einer Woche aktuell der Transfer von Ronaldo

zu Real Madrid für lumpige 97 Milliönchen. Das Händeschütteln mit dem Präsidenten von Real wird täglich gezeigt. Wieder zu Hause werde ich hören, dass er schon wieder für 14 Tage krank geschrieben ist. In was für einer Welt leben wir eigentlich? Geplante Volks-

verdummung? Da wird theatralisch und stündlich gezeigt, wie die aufgespiessten Strassenkämpfer ins Spital geführt und dort wieder zusammen geflickt werden, grässlich,

die absolute Volksverblödung. Aber vielleicht kann man der Realität wirklich nicht mehr ins Auge sehen, ohne in eine tiefe Depression zu fallen. So hat eben auch diese Geschichte ihre zwei Seiten.

Viele hier, junge und auch ältere Leute nehmen hier so was ähnliches wie Haschisch. Allerdings stinkt das Zeug nicht so sehr wie in der Schweiz. Vielleicht sind nur die Portionen etwas kleiner. Danach wird dann wieder zum Handy gegriffen, das eigene Glücksgefühl muss dringend weitergegeben werden. Zerstreuung ist eben alles in dieser Zeit.

Eines kann aber nicht genügend betont werden: Ein freundliches und zuvorkommendes Volk sind sie, die Andalusier auch oder gerade dem Fremden gegenüber.

Schüchtern fragte ich heute Abend nach übrig gebliebenen Spaghetti. Schon fast weltmännisch fragte mich Miguel „con Tomate, Carbonara oder Bolognesa? Erstaunt ist man da schon, vor allem weil man noch niemanden was essen sah. Ohne zu Murren stellt er sich an den Herd um mir die gewünschten Carbonara zu kochen. Was er mir dann auf dem Teller bringt ist wieder allererste Güte. Al Dente, schön rahmig und mit reichlich gebratenem Speck. Da ich auf den Salat auch heute nicht verzichten will, schaffe ich es leider nicht, alles aufzuessen, trotzt Verzicht auf ein Getränk und das knusprige Brot.

Das war gestern Abend, heute werde ich ihn wieder um etwas aus der einheimischen Küche bitten. Hoffentlich schafft er es einmal die Portion etwas kleiner zu gestalten.

Heute verfolge ich wieder einmal ein hübsches Spielchen. Nicht am Automaten und auch nicht am Spieltisch. Rafa, der Gitanomann unterhält sich mit einem örtlichen Metallver-

arbeiter. Und obwohl dieser beruflich sicher erfolgreich ist und aus einem andern Milieu stammt als dieser Gitano, alle wollen immer irgend etwas von diesem 30-jährigen Kerl. Ohne wirklich viel zu verstehen entnehme ich alleine aus den Gesten, dass hier ein Gespräch statt findet bei dem man nur schmunzeln kann. Der Chef im Ring ist eindeutig Rafa. Es scheint bei den Zigeunern eine krasse Rangordnung zu geben, welche noch ausgeprägter ist, als man sie bei Wölfen beobachten kann. Was Jùan bei den Älteren, ist

Rafa bei der jüngeren Generation. Alle wollen seinen Rat, alle wollen ein gutes Einvernehmen mit diesem selbstbewussten Zigeuner. Es ist wirklich beeindruckend.

Das Bier fliesst Runde um Runde. Der mir Unbekannte besteht darauf, alles zu bezahlen. Um 15 Uhr verabschiede ich mich so höflich es geht, ich möchte in die Siesta. Dieses Wort hat magische Eigenschaften bei den Andalusiern. Diesen Wunsch können sie immer akzeptieren, auch wenn sie dann selbst noch lange sitzen bleiben.

Bereits um 14 Uhr wird Domingo von seiner Frau gerufen. Er bleibt zwar noch sitzen, gibt ihr aber schon mal das Eingekaufte mit. Seine Alkoholprobleme schaffen in der Beziehung einige Probleme, jedenfalls verbringt er mehr Zeit in der Bar als bei seiner Frau. Es scheint, dass er sehr krank ist. Er krächzt eigentlich mehr als er spricht. Ausserdem wird fast nichts mehr gegessen. Hie und da ein Mais-Chip, das reicht schon. Aber er ist ein sehr sympathischer, stiller Typ und wir freuen uns immer beim Wiedersehen. Domingo besitzt vier Häuser. Ich werde sie mit ihm noch begutachten. Er ist 73 Jahre alt und hatte in seiner Aktivzeit ein Geschäft in Lojà. Welches, habe ich allerdings wieder einmal nicht verstanden.

Bei einem Gitano kaufe ich noch zwei Honigmelonen und schenke eine davon Alex. Er verdrückt sie noch am selben Abend.

Im ehemaligen Frauenkloster Araceli

Sonntag, 12. Juli 2009

Gut ausgeschlafen erwache ich heute Morgen. Ich höre Alex mit dem Hund spazieren gehen, und begebe mich selbst zum Frühstück ins Parterre. Anschliessend lese ich zum 3. Mal einen kleinen Ratgeber für Andalusien.

Alex begrüsst mich um 10.20 Uhr mit einem gewaltigen Brummschädel. Ausserdem findet er seine obere Zahnprothese sowie seine Schlüssel nicht mehr. Ich helfe ihm suchen, erfolglos. Später findet er beides auf dem Dach der Hollywood-Schaukel. Er wird sich vor dem Schlafen gehen noch ein letztes Bierchen genehmigt haben. Wenigstens das.

Am Mittag setze ich mich zu einigen Senioren. Ein Bauer klagt, dass in diesem Jahr die Oliven nur noch 26 – 28 Cents das Kilo gelten. Er scheint nicht auf grosses Erbarmen zu stossen. Warum können dann die Ölbarone immer noch 4-vierspännig durchs Dorf fahren? fragt der eine. Warum sagst du nichts von den Anbauprämien? ein anderer.

Und wie viel Betriebssubventionen erhaltet ihr? ein dritter.

Die alte Leier. Die EU subventioniert und schafft gleichzeitig immer grössere Überkapazitäten. Auch wenn auf ebenem Boden heute alles maschinell geerntet wird, an Steilhängen werden die Oliven immer noch mit Stangen in die Netze geschlagen und aufgehoben. Die Löhne der Helfer fielen in den letzten vier Jahren für sechs Stunden mühsame Handarbeit von € 42.- auf nunmehr € 34.–. Will heissen, der Stundenlohn fiel in diesen vier Jahren von € 7.– auf € 5.65. Unweigerlich kommt mir der „Techniker“ in den Sinn, der uns letztes Jahr theatralisch eine neue Gemüseschublade für den Kühlschrank lieferte und dafür € 72.– in Rechnung stellte. Das allerdings wird mir nie mehr passieren!!!

 

Sonntagmittag

Für heute habe ich genug gehört. Um 11 Uhr fahre ich auf der A92 Richtung Antequera.

Dort verlasse ich die Autobahn und fahre auf der A331 Richtung Cordoba. In Lucena fahre ich ab. Von weitem sehe ich ein Schloss ähnliches Gebäude auf einem Berg thronen. Das muss ich sehen. Lucena ist ein ziemlich grosses Städtchen und bekannt für seine Möbelfabriken. Auf einer Bergstraße fahre ich hinauf zum ehemaligen Frauenkloster Araceli. Heute dient es nur noch als Wallfahrtsort. Am Sonntag wird die Messe gelesen. Da diese gerade im Gang ist, genehmige ich mir stattdessen ein Bier. Die Stiftskirche darf frei besichtigt werden. Allerdings darf nach dem Gottesdienst nicht fotografiert werden. Die Spanier wollen sich vor der Jungfrau Maria bekreuzigen. Sie steht in einem separaten Raum und ist hell erleuchtet. Die Kapelle selbst ist „geschmückt“ mit 100erten von Engeln in ebenso vielen Farben. Für meinen Begriff ziemlich kitschig. Aber die Bedürfnisse der Menschen sind halt auch ziemlich verschieden. In einem Nebenraum gibt es so viele Gedenkkerzen, dass es eine grosse Ventilations-Anlage braucht um die Wärme abzuführen. Die betenden Spanier scheuen sich allerdings nicht, auf ganzer Breite vor dem Kircheingang zu parkieren. Es gibt kaum ein Durchkommen. Solche Gegensätze erstaunen mich immer wieder.

Die Aussicht, welche man von hier oben hat, ist wirklich phänomenal. So weit das Auge reicht: Oliven. Früher verdächtigte ich die Spanier das Olivenöl zu strecken. Heute, nachdem ich Andalusien gesehen habe, glaube ich eher, dass eines Tages Treibstoff aus diesem herrlich Speiseöl gemacht wird. Auch viele Neuanpflanzungen kann man sehen (siehe oben). Aber, was lässt sich in diesem Klima anderes pflanzen?

Und irgendwo in der Ferne im Norden liegt Cordoba im Dunst. Man schätzt, dass dort im 13. Jahrhundert bis zu 500’000 Menschen gelebt haben. Keine Stadt in Europa war zu jener Zeit so gross. Ich verlasse diesen schönen Ort und kehre auf der gleichen Strecke nach Hause zurück.